Wasserstoff ist in praktisch unbegrenzter Menge auf der Erde verfügbar.
Jedoch ist es oft in chemischen Verbindungen, wie Kohlenwasserstoffen
(fossile Brennstoffe) oder Wasser, gebunden. Ein großer Teil (~40%) der
heutigen Wasserstoffproduktion stammt aus chemischen Prozessen in denen es
ein Nebenprodukt ist (z.B. Chlor-Alkali-Elektrolyse oder Rohölveredelung).
Im Falle der industriellen Produktion von Wasserstoff ist die
Dampfreformierung von Erdgas die am weitesten verbreitete Methode.
Nichtsdestotrotz gibt es verschiedene Arten von Produktionstechnologien:
Die
Reformierung leichter Kohlenwasserstoffe (z.B. Methanol, Methan
oder Erdgas) zu Wasserstoff kann durch Dampf- oder autotherme Reformierung
erfolgen. Dampfreformierung beinhaltet zwei Schritte. Als erstes erfolgt
eine katalytische Umwandlung des Brennstoffs (hier Methan) bei hohen
Temperaturen:
CH4
+ H2O 3 H2 + CO
Diesem
schließt sich die Umwandlung der entstehenden Kohlenmonoxide mit Wasser
zu Wasserstoff in einer Reduktion, die oft als Shiftreaktion bezeichnet
wird, an:
CO
+ H2O H2 + CO2
Die
partielle Oxidation schwerer Kohlenwasserstoffe beinhaltet die
Zugabe von Sauerstoff und Wasserdampf in den Prozess. Die Mengen von
Sauerstoff und Wasser werden genau überwacht, um die Oxidationsrate der
Kohlenwasserstoffe zu kontrollieren. Der prinzipielle Ablauf der Reaktion
ist nachfolgend gezeigt:
CnHm
+ H2O + O2
H2 + CO +CO2
Die
autotherme Reformierung nutzt beides, Dampfreformierung und Schritte
der partiellen Oxidation, und kann für bestimmte höhere Kohlenwasserstoffe
genutzt werden. Nach dem Reformierungsschritt ist eine Gasreinigung
notwendig um Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und andere unerwünschte
Nebenprodukte aus dem wasserstoffreichen Gas zu entfernen. Der Umfang der
Gasreinigung hängt von der verwendeten Reformierungstechnologie und dem für
die entsprechende Anwendung benötigten Produkt-Wasserstoff ab. Es wurden
auch schon kleine Reformersysteme für die interne Wasserstoffproduktion in
beispielsweise Fahrzeuganwendungen entwickelt.
Dampfmethanreformer(DMR)-Kraftwerk
von Air Liquide.
Die
Wasserelektrolyse ist prinzipiell die Umkehrung des
Brennstoffzellenprozesses. Aus Wasser und Elektrizität werden Wasserstoff
und Sauerstoff gewonnen:
H2O
H2 + ½O2
Ähnlich
wie in der Brennstoffzelle erfolgen Reduktion und Oxidation an zwei voneinander
getrennten Elektroden. Wasserstoff wird dabei an der Anode und Sauerstoff an der
Kathode produziert. Das Elektrolyt ist ionenleitend, gewöhnlich entweder für
Protonen (H+) oder für Hydroxid-Ionen (OH-). Der am häufigsten
genutzte Prozess ist der alkalische (OH-) Elektrolyseprozess, welcher
seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts eingesetzt wird. Andere Arten beruhen auf
einem Festpolymerelektrolyten oder arbeiten bei verschiedenen Drücken und/oder
Temperaturen. Die Wasserelektrolyse trägt zu 2-3% zur weltweiten
Wasserstoffproduktion bei.
Wasserelektrolyseeinheit
von Norsk Hydro.
Der
Kvaerner Black Prozess ist eine Möglichkeit Wasserstoff aus
Kohlenwasserstoffen und Elektrizität zu gewinnen, bei der nur fester (schwarzer)
Kohlenstoff als Nebenprodukt entsteht. Bei hohen Temperaturen zersetzt
sich der Kohlenwasserstoff (z.B. Methan) wie folgt:
CH4
+ Energie 2H2
+ C
Dieser
Pyrolyseprozess wurde von der norwegischen Firma Kvaerner in den 1980er
Jahren entwickelt und ist von besonderem Interesse, da er CO2-frei
ist. Der Kohlenstoff kann beispielsweise in der Gummiproduktion verwendet
werden.
Die
Biomassevergärung ist eine anerobe Zersetzung der Biomasse durch
Bakterien, Enzyme oder andere kleine Organismen. Aus diesem Prozess
entsteht ein Gas, welches Methan enthält, das entweder direkt in
Hochtemperatur-Brennstoffzellen geleitet werden kann oder zur
Wasserstoffproduktion genutzt werden kann. Wird dieser Prozess modifiziert,
so ist eine Erhöhung des Wasserstoffgehalts im entstehenden Produktgas möglich.
Ebenso
ist eine biologische Produktion von Wasserstoff denkbar. Einige
Mikroorganismen (Algen und Bakterien) besitzen die Möglichkeit
Wasserstoff zu produzieren, vornehmlich aus Wasser und Licht (Photosynthese).
Von Genforschern wurden vielversprechende Substanzen entdeckt und
verbessert.
Die
verschiedenen beschriebenen Arten von Wasserstoffproduktionstechnologien
sind heute schon verfügbar. Jedoch ist die gesamte jährlich produzierte
Menge beschränkt auf den benötigten Brennstoff für eine bestimmte
Anzahl von Tagen innerhalb des Transportsektors. Dass heißt,
eine große
industrielle Veränderung ist notwendig, bevor ein Wasserstoffzeitalter
beginnen kann.